Deutscher Blues?

Was soll das denn bitte sein? Alte Männer leiden im Humpty-Dumpty Rhythmus und singen von gemeinen Frauen und dem Wunsch nach mehr Geld im Job?
Drei Akkorde und ein Halleluja? Testosterontango in Halftime?
Musikalisch festgehaltene Diskriminierung und Verlustangst aus einem vergangenen Jahrtausend? 

Die Zeiten ändern sich.

Und mit ihnen ändern sich auch Strukturen und Identitäten.

Und das macht es nicht einfacher mit den Kategorien.

Besonders nicht, wenn sie von anderen gemacht wurden.


„Der Moment macht die Musik.“, sagt der Hamburger Gitarrist und Songschreiber Tom Baetzel auf die Frage, wie er denn seine Musik nennen würde. „Die Emotion und Dynamik eines Akkords führt zum nächsten Akkord und der dann wieder weiter und dann bildet sich in der gemeinsamen Entstehung sehr oft auch gleichzeitig sogar schon der Text schemenhaft im Hintergrund ab. Am Ende ist die Musik nur so etwas wie ein Symptom. Ich versuche eigentlich, Momente zu konservieren – keine Ahnung, was das dann jeweils für eine Kategorie ist. Wenn es sich gut anfühlt, finde ich das dann auch gar nicht so wichtig.“

Die prägenden musikalischen Einflüsse hierbei sind wahrscheinlich am besten im Blues und Jazz zu finden. Tom spielte jahrelang als Bassist in diversen Bands unterschiedlichster Richtungen, lebte und arbeitete einige Jahre in den USA und verbrachte viel Zeit „on the road“. Nun schreibt und singt er seine eigenen deutschen Songs. Er sagt, es war wohl vorher einfach noch nicht die Zeit dafür.

„Vielleicht ist das wie beim Wein, vielleicht habe ich aber einfach auch nur Schiss davor gehabt.“


Fast immer kommt die Musik zuerst.

„Gemeinsam mit dem slowakischen Pianisten Tomáš Ferko versuche ich nur mit Gitarre und Piano die Emotionen wie in akustischen Schnappschüssen festzuhalten. Die Texte entstehen dann später zu Hause in Ruhe – meistens mitten in der Nacht, wenn man seine Ruhe hat und sich auch mal etwas länger auf eine Sache konzentrieren kann, weil man nicht vom Techno des Alltags so permanent bombardiert wird.“

Tom Baetzel & Tom Ferko